Die Gefiederkunde
Inhaltsverzeichnis
Gewonnene Erkenntnisse
Durch das Sammeln und Bestimmen von Federbelegen können zuerst einmal Informationen über das Erscheinungsbild des Gefieders der Vögel gewonnen werden.
Darüber hinaus können dadurch Nachweise für Arten in einem bestimmten Gebiet oder Biotop erbracht werden, das Beutespektrum von Greifvögeln und Raubtieren erforscht werden, Reviergrenzen ausgemacht werden, Mauserzeiten sowie Zug- und Wanderverhalten untersucht werden.
Verschiedene miteinander verwandte oder lediglich phänotypisch ähnliche Arten können durch ihr Federkleid im Detail verglichen werden.
Nummerierung der Federn
Es werden normalerweise nur Körperpartien mit einer überschaubaren Anzahl von Federn in geordneten Reihen nummeriert. Dazu zählen vorallem die Hand- und Armschwingen und -decken, als auch die Steuerfedern. Bei genauer Betrachtung können aber auch die Ober- und Unterschwanzdecken nummeriert werden. Typischerweise ist ein Vogel symmetrisch aufgebaut. Die Nummerierung verläuft bei Handschwingen und den Decken, die auf diese aufliegen von innen nach außen (distal), bei den Armschwingen und -decken von außen nach innen (proximal). Dadurch liegen bei allen Vögeln, egal wieviele Hand- oder Armschwingen sie besitzen H1 und A1 immer direkt nebeneinander.
Beschaffung von Federmaterial
In meinem Fall der bei weitem zeitaufwändigste Teil der Gefiederkunde ist die Beschaffung des Materials. Neben zufälligen Funden, seien es Todfunde am Straßenrand oder Rupfungen die man beim Waldspaziergang findet, ist ein gezieltes Suchen nach Rupfungen oder Todfunden sehr zeitintensiv, manchmal auch ergebnislos oder deprimierend. Ich denke jeder muss mit der Zeit selbst ergiebige Quellen ausmachen um in der freien Natur Vögel und Rupfungen zu finden. Als ergiebig zeigen sich Glasfassaden oder hohe Gebäude mit großen Fensterflächen, Straßenränder, Küsten und Strände vorallem nach Stürmen, etc. Darüber hinaus bin ich selbst natürlich über jeden Vogelzüchter oder -halter erfreut, welcher Mauserfedern seiner Vögel, oder sogar eingegangene, oder verstorbene Vögel zur Verfügung stellt. Erfahrungen zeigen jedoch, dass dieser Anteil bei Vogelhaltern eher gering ist.
Aufsammeln von Material
Beim Finden und Auflesen einer Rupfung sollte man einiges beachten. Zuerst einmal sollte anhand des Gesamtanblickes versucht werden den Prädator zu ermitteln. Viele Vögel und Säugetiere haben eine spezifische Art einen Beutevogel zu rupfen. Über genaue Unterschiede und Bestimmung folgt ein anderes Kapitel. Sollte der Beutegreifer nicht festgestellt werden können, wird versucht mit genauem Erfassen der Fundumstände und Beschreibung oder Fotografieren des Rupfungsplatzes diese Bestimmung zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen. Eine gefundene Rupfung sollte möglichst vollständig eingesammelt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt kann das Fehlen einer einzigen Federn sehr ärgerlich sein. Fundort und Zeit werden erfasst und dokumentiert. Rupfungen sollten aufgeklebt werden und dann so genau wie möglich bestimmt werden. Bei Todfunden empfehle ich die Methode erst den Vogel so genau wie möglich zu bestimmen bevor Federn entnommen werden. Dies klingt im ersten Augenblick logisch, ist jedoch tiefgreifender zu verstehen. Ich kann aus Erfahrung sprechen, dass ich mit der eindeutigen Erkenntnis über die Art einem Vogel die Federn entnommen und aufgeklebt habe, um dann später festzustellen, dass zur Bestimmung des Geschlechtes oder zur eindeutigen Bestimmung des Kleides einzelne Merkmale beispielsweise am Kopf entscheidend gewesen wären, aber nachträglich nich mehr in Erfahrung zu bringen sind.
Aufbewahrung und Organisation
An diesem Punkt kann ich hauptsächlich nur über meine eigenen Methoden berichten. Federn aus Rupfungen oder aus Todfunden werden in richtiger Reihenfolge, wenn möglich auch in anatomisch korrekter Anordnung mit einem Alleskleber (früher Heißkleber) auf schwarz-graues Papier geklebt. Mit auf dieses Belegblatt kommt ein Beschriftungskärtchen mit allen erfassten Informationen. DIN A4 große Sammlungsbelege werden bei mir in Prospekthüllen aufbewahrt und in Aktenordnern gesammelt. Die Ordner sind nach Ordnungen, teilweise auch nach Familien sortiert. Innerhalb dieser sind einzelne Familien mit Trennstreifen sortiert. Größere Belege zwischen DIN A3 bis hin zu 50x70 cm - Kartons werden in luftdichten Druckverschlussbeuteln gelagert. Ebenfalls Einzelfedern sowie überschüssiges Material werden in Druckverschlussbeuteln schädlingssicher und staubgeschützt aufbewahrt. Zu beachten ist aber an diese Stelle, dass alle Federn, welche luftdicht gelagert werden vorher gründlichst getrocknet wurden um mögliche Schimmelbildung auszuschließen. Auch ein durchfrosten der Belege durch einfrieren ist empfohlen, gerade wenn es sich um ältere Federn eines Präparates oder einer alten Sammlung handelt
Von anderen Sammlern weiß ich, dass sie Federn aufbewaren indem sie in Papierlaschen gesteckt werden, einzeln in Tüten verpackt werden oder beispielsweise mit doppelseitigem Klebeband befestigt werden. In allen Fällen sollte sichergestellt sein, dass Federn lediglich an der Spule befestigt werden um im Falle ein sauberes wiederablösen zu gewährleisten. Von Herrn Wolf-Dieter Busching weiß ich, dass er für einzelne Arten komplette Artmappen angelegt hat. Eine Methode, die sich ab einer gewissen Größe der Sammlung rentiert. Größere Arten bewahrte er in Holzkästen auf und ordnete sie in dicht schließenden Schränken nach Vogelsystematik. (vgl. W.-D. Busching 1995, Beitr. Gefiederkd. Morphol. Vögel, Heft 2, 1995)
Die Wahl des richtigen Papiers
Über den richtigen Untergrund lässt sich genausolang diskutieren.
Viele Sammler benutzen grüne, blaue oder auch grauen Karton als Unterlage.
Mit der Zeit habe ich schwarzen Karton am ehesten für mich entdeckt.
Bei den meisten Federn sind die Kontraste auf der Feder weitaus besser sichtbar als auf einem hellen Hintergrund.
Vorallem feine Ränder der Feder oder Farbverläufe, erstaunlicherweise selbst bei relativ dunklen Federn sind gut erkennbar.
Für komplett schwarze Federn beispielsweise von Krähen benutze ich einen grauen Karton.
Neben der Farbe spielt auch die Struktur des Papieres eine wesentliche Rolle. Gerade wärend der Digitalisierung meiner Belege sind mir die Unterschiede sehr deutlich aufgefallen.

Die beiden Belege des Kernbeißers zeigen den Strukturunterschied des Papiers. Der rechte Karton mit der feineren Struktur bildet einen viel gleichmäßigeren Hintergrund als der grobe Karton auf dem linken Scan.
Ein Beitrag von Harald Friemann
Allgemeine Aussagen
Greifvögel, die Vögel schlagen und vor dem Verzehr rupfen, haben normalerweise typische Rupfgewohnheiten, die sich auf die Art des Rupfens und auf den Rupfplatz beziehen. Allerdings sind diese Gewohnheiten nicht unverwechselbar, sie können in gewissen Grenzen variieren und sie können sich mit den Gewohnheiten anderer Greifvögel überschneiden. Daher kann man nur in bestimmten Fällen den Urheber einer Rupfung eindeutig bestimmen: Wenn man den Greifvogel direkt beobachtet oder – aber behaftet mit geringerer Eindeutigkeit – wenn die Rupfung im engeren Horstbereich des Greifvogels liegen. Die nachfolgend aufgezählten Merkmale beschreiben nur die typischen Gewohnheiten, die helfen können, eine erste Bestimmung vorzunehmen, um dann vielleicht auf Grund anderer Spuren (Gewölle, Mauserfedern Kotspritzer) zu einer genaueren Lösung zu kommen.
Wanderfalke
Seine Rupfungen sind daran zu erkennen, dass sie an freien übersichtlichen Plätzen liegen und dass die Flügel meist ungerupft bleiben und über die Schulterblätter noch zusammenhängen. Wichtig ist offenbar der freie Blick auf die Umgebung während des Rupfens. Rupfungen liegen auf Erdhügeln (während der Zugzeit) oder auf Felsvorsprüngen (am Brutplatz), bei Gebäudebruten können die Vogelreste auch am Boden zu finden sein.
Turmfalke
Er jagt nur selten Vögel. Wenn dann rupft er sie an seinen Sitzplätzen hoch auf Bäumen oder Gebäuden. Die Vögel werden unvollständig gerupft, oft hängen Flügelteile noch zusammen. Es wird immer schwierig sein, den Turmfalken als Urheber von Federfunden zu erkennen.
Baumfalke
Neben Insekten jagt er gelegentlich auch Vögel. Dabei wurde beobachtet, dass er schon im Fluge zu rupfen beginnt, so dass die Federn irgendwo landen. Gelegentlich rupft er in Horstnähe an seinen Ruheplätzen, dann kann man einzelne verstreute oder auch über die Flügelknochen zusammenhängende Federn finden.
Merlin
Am Brutplatz nutzt er feste Rupfplätze auf Baumstubben, auf bemoosten Felsen oder auf umgestürzten Bäumen. Er rupft seine Beutevögel vollständig, so dass er in solchen Fällen als Urheber nur durch die Nähe zum Brutplatz erkennbar und vom Sperber zu unterscheiden ist. Er kann jedoch auch hoch in Bäumen oder am Boden rupfen, so dass es fast unmöglich ist, ihm während der Zugzeit Rupfungen eindeutig zuzuordnen. Der Hinweis in der Literatur, dass der Merlin ähnlich wie der Wanderfalke seine Beute bearbeitet, konnte an nordischen Brutplätzen nicht bestätigt werden. Typisch für ihn ist die Vorratshaltung: Beutevögel, die nicht sofort verzehrt werden, können deponiert werden, wie dies vor allem beim Eleonorenfalken bekannt ist.
Sperber
Er ist der typische Jäger auf Kleinvögel, die meisten solcher Rupfungen dürften von ihm stammen. Im Horstbereich nutzt er Baumstubben, umgeknickte dünnere Bäume, Pfähle oder andere erhöhte Plätze zum Rupfen. Sehr oft liegen die Rupfungen allerdings auch direkt auf dem Waldboden, sofern dieser frei von Bewuchs ist. Außerhalb der Brutzeit sucht er gerne Dickungen zum Rupfen auf, allerdings kann auch der Habicht solche geschützten Plätze nutzen. Kennzeichnend für den Sperber ist, dass er seine Beutevögel vollständig bis zur kleinsten Feder rupft und meist auch alle Federn am gleichen Platz liegen. Schnäbel, Krallen oder Eingeweide verschmäht er oft. Zum Ende der Brutzeit finden sich viele unvollständige Rupfungen in Horstnähe, die vermutlich von Jungsperbern stammen. Im Winterhalbjahr können relativ feste Rupfplätze eingehalten werden, die in Dickichten oder Stangenhölzern liegen. Typisch für solche Plätze ist eine gute Deckung nach oben, vielleicht als Schutz vor dem Habicht. Oft sind an solchen Plätzen Gewölle oder Kotspuren zu finden, so dass man auch außerhalb der Brutzeit den Sperber relativ sicher als Urheben benennen kann.
Habicht
Im Gegensatz zum Sperber hält er normalerweise keine so festen Rupfplätze ein, selbst im Horstbereich sind meist nur wenige Rupfungen an verschiedenen Plätzen zu finden. Er rupft am Waldboden oder auf liegenden Bäumen, zur Zugzeit aber auch in Dickichten, so dass man dann zwischen Habicht und Sperber als Urheber nicht mehr leicht unterschieden kann. Zur Beute des Habichts zählen größere Arten (Tauben, Krähenvögel, Drosseln, Eulen u.a.), gelegentlich aber auch kleinere Singvögel bis zu Finken, was den Nachweis des Habichts als Urheber fast unmöglich macht, vor allem außerhalb der Brutzeit. Im Gegensatz zum Sperber sind nur selten alle Federn desselben Beutevogels am gleichen Platz zu finden. Bei größeren Arten zeigt ein deutlicher Knick in den Federspulen, wo der Habicht beim Rupfen mit dem Schnabel angesetzt hat. Außerdem beißt er gerne kleinere Knochenstücke aus den Brustkämmen heraus, dickere Knochen bleiben ohnehin übrig.
Weihen, Milane und Bussarde
Auch diese Greifvögel schlagen gelegentlich Vögel. Da ihre Rupfungen nur selten zu finden und schwierig zuzuordnen sind, ist über ihre Rupfweise wenig bekannt. Meist sind einzelne Federn oder andere Beutereste am Brutplatz zu finden, die zeigen, welche Arten diese Greifvögel erbeutet haben.
Eulen
Beim Waldkauz spielen Vögel eine größere Rolle in seiner Ernährung. Er rupft seine Beutevögel hoch an seinen Ruheplätzen, aber nie vollständig, so dass man nur einzelne Federn, oft auch zusammenhängend, findet. Über seine Gewölle kann man den Waldkauz als Urheber erkennen, aber Rupfungsfunde sind selbst in seinem Brutgebiet nur selten zahlreich.
Der Sperlingskauz jagt ebenfalls Kleinvögel, die er gerne in seine Bruthöhle einträgt und dort rupft.
Umfangreiche Vogel-Beutelisten wurden auch dem Uhu nachgewiesen, fast ausschließlich an seinem Brutplatz. Meist sind es Einzelfern am Horst, an weiteren Stellen im größeren Horstbereich können unvollständige Rupfungen zusammen mit Gewöllen und Mauserfedern zu finden sein.
Literatur
O. Uttendörfer (1939: Die Ernährung der deutschen Raubvögel und Eulen. – Verlag J. Neumann-Neudamm.
H. Brüll (1964): Das Leben deutscher Greifvögel (2. Auflage). – Stuttgart, G. Fischer Verlag.
R. März (1987): Gewölle- und Rupfungskunde (3. Auflage). – Berlin, Akademie-Verlag.
Inhalt folgt demnächst.